
Abbildung 26: Elberfeld um 1775
Über die Elberfelder Linie schreibt Frau Schniewind:
"Ende des 18. Jahrhunderts lässt sich ein Bemberg (Johann Heinrich Bemberg E V/4) in Elberfeld auf der Vikarie (heute Hofkamp in Richtung Haspeler Brücke) nieder und betreibt dort einen Weinhandel. Als er um 1790 stirbt übernimmt sein Bruder Johann Peter (E V/5) das Geschäft, ändert es aber schon nach zwei Jahren in eine Farbhandlung um, in der mit Indigo Krapp (roter aus Pflanzen gewonnener Farbstoff ), Baumöl, Baumwolle, Leinen und Schafwolle gehandelt wurde.
Es war nicht ungewöhnlich, dass sich ein Bemberg in Elberfeld niederließ. Im Lauf der Generationen heirateten die Bembergs immer wieder in Familien des Wuppertals, wie z.B. die Wuppermann, Keuchen, Lohmeyer und Lausberg.
So war die Mutter von Johann Peter Bemberg Anna Maria Lausberg aus Elberfeld.
Schon bald lernte Johann Peter auf seinen Reisen das Färben der Baumwolle mit Türkisch-Rot kennen. Er wendet das Verfahren im Wuppertal an und hatte damit durchschlagenden Erfolg. Bald nennt er drei Färbereien sein eigen, in denen er Türkisch-Rot färbt. Seine Geschäftsverbindungen erstrecken sich über ganz Deutschland. Mit diesen Färbereien legte er den Grund zu der später in der ganzen Welt bekannten Kunstseidenfirma J.P. Bemberg.
Die Bembergs müssen sehr kunstliebende Leute gewesen sein, soweit es das Theater betraf. In einem Bembergschen Garten auf der Hochaue in einem Gartenhaus spielte die Deutsche Schauspieler-Gesellschaft unter der Direktion des Ehepaars Lüders vom Frühjahr 1804 bis zum Frühjahr 1805. ..."
Johann Peter Bemberg (1758 - 1838) verheiratet mit Maria Theresia Scheibler aus Montjoie (1774 - 1843) hatte aus dieser Ehe einen Sohn, Julius August Bemberg (L VI/4) der Lina Wülfing heiratete, und zwei Töchter: Julie, die spätere Ehefrau des Rittergutsbesitzers Hermann vom Rath aus Lauersfort bei Krefeld, die in jungen Jahren kinderlos verstorben ist, und Therese, die Älteste der drei (1794 - 1859). Sie verheiratete sich mit Friedrich Platzhoff und hatte aus dieser Ehe 13 Kinder.

Abbildung 27: Johann Peter (J.P.) Bemberg |
Abbildung 28: Maria Theresia Bemberg, geborene Scheibler |

Abbildung 29: Schreiben J.P. Bemberg vom 10. Februar 1819
Das Geschäft von Johann Peter Bemberg florierte außerordentlich gut. Im Jahr 1813 nahm er seinen Schwiegersohn Friedrich Platzhoff als Teilhaber in die Firma auf.
Im März 1830 vermachte er seiner Tochter Therese Platzhoff sein Gut Ottenbruch
"mit dem herzlich Wunsch, daß es Dir und Euch allen immerfort viel Vergnügen mache wird. ..."
Als Johann Peter Bemberg im Jahre 1838 stirbt, übernimmt sein Sohn Julius August zusammen mit seinem Schwager Platzhoff das Geschäft. Aber Julius August hat nicht lange darin gearbeitet.
Er stirb schon 1847 und hinterlässt seine Frau Karoline als junge Witwe mit zwei Kindern, dem elfjährigen Julius und der einjährigen LinaLina. Karoline Bemberg, geb. Wülfing wohnte damals in der Vikarie, an der Ecke des Weges , der zur Wupper führte und der heute Bembergstraße heißt.
Friedrich Platzhoff, der die Geschäfte nun allein, aber auf gemeinsame Rechnung fortführte, war Vormund der Kinder. Die Beziehungen zwischen den Familien Lina Bembergs und Friedrich Platzhoffs waren also damals besonders eng, und der Verkehr zwischen beiden wurde noch dadurch erleichtert, dass die Wohnhäuser nur wenige hundert Schritt auseinander lagen.
Lina Bemberg geb. Wülfing war nach dem frühen Tode ihres Mannes zur Hälfte an der gutgehenden Firma Bemberg beteiligt.
Im Jahre 1842 war ihr Vater Johann Friedrich Wülfing gestorben und hatte ihr ein ansehnliches Vermögen hinterlassen. Als ihr Sohn nun herangewachsen war, und sie selbst schon das Alter von 47 Jahren erreicht hatte, legte sie im Jahre 1861 mit erstaunlicher Initiative ihr Vermögen in Landbesitz an.
Sie kaufte die Güter Flamersheim und Ringsheim in der Gegend von Euskirchen.
Mit diesem Kauf hat Lina Bemberg den Lebensweg ihrer Nachkommen für Generationen bestimmt. Sie wurden Landwirte auf Flamersheim und Ringsheim. Das heutige Aussehen der Burg Flamersheim geht auf Lina Bemberg zurück. Als sie es kaufte. wer es ein hübsches stilvolles Barockschlösschen mit zwei Kavaliersflügeln.
Dem Geschmack der Zeit entsprechend wurde das hohe, schlichte Walmdach verändert, die barocken Hauben wurden entfernt und anstelle dessen traten Zinnen. So gar die. einfachen Giebel der Kavaliershäuser bekamen seltsame Schwünge. Das ist ein wenig schade. Burg Ringsheim blieb in ihrem Stil erhalten, denn erst die Enkelgeneration hat sie wieder aufgebaut. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert.
Heute ist das Land von Flamersheim verpachtet, während die Landwirtschaft von Ringsheim unter eigener Regie floriert.

Abbildung 30: Der Bemberghof in Langenberg (vermutlich Geburtshaus J.P. Bemberg)

Abbildung 31: Die Oehde zu Lebzeiten J.P. Bemberg

Abbildung 32: J.P. Bemberg, Barmen-Rittershausen - Türkischrothgarn-Färberei

Abbildung 33: Verflechtung der Familien Lausberg-Bemberg-Wuppermann-Scheibler
Die engen Verbindungen zwischen den Familien setzen sich in den folgenden Generationen fort. Bei der Größe der Familie Scheibler finden sich auch noch andere Vetternheiraten.
"Friedrich Platzhoff führte das sehr bedeutende Bemberg'sche Geschäft weiter, da sein Schwiegervater bereits 1838 gestorben war. Auf ihn sind auch die neu errichteten Fabrikgebäude in der Oede zurück zu führen"

Abbildung 34: Das Wappen der Familie von Bemberg - Flamersheim

Abbildung 35: Burg Ringsheim bei Euskirchen
(erworben von Lina Bemberg, geborene Wülfing)

Abbildung 36: Julius Peter von Bemberg-Flamersheim
(in der Uniform des preußischen Herrenhauses)