Arnold Steinbach (1613 - 1691)
lutherischer Pastor in Velbert vom 1636 - 1691
Wer einmal die alten Urkunden und Schriftstücke im evangelischen Gemeindearchiv in Velbert durchstöbert, dem wird von all jenen Schriften, in denen einst alle Ereignisse und Begebenheiten in der evangelischen Gemeinde niedergeschrieben wurden, eine Handschrift besonders auffallen. Es ist eine markante Handschrift, große, klare, gleichmäßige Buchstaben.
Schreiber ist der evangelisch-lutherische Pastor Arnold Steinbach der seinen Namen latinisiert "Arnoldus Steinbachius" schrieb. 55 Jahre hat er, von 1636 bis zu seinem Tode 1691, die evangelisch-lutherische Gemeinde in Velbert seelsorgerisch betreut. Daneben war er auch bestellter Hofschreiber am Hofesgericht des Lehngutes Hof zum Hofe in Velbert.
Arnold Steinbach ist Pfingsten 1613 in Velbert im Hause "Grotenhus", welches an der Kirchhofsmauer stand, geboren als Sohn des Kaufmann Arndt Steinbach und der Jenna im Großenhaus. Sein Vater ist der älteste uns bekannte Kaufmann in Velbert gewesen, der viel auf Reisen war. Als 1618 die große Auseinandersetzung zwischen den Lutheranern und den Reformierten stattgefunden hatte, war er grade von einer Reise aus dem Braunschweiger Land zurückgekehrt.
Abbildung 8: Velbert - im großen Haus
Arnold Steinbach empfing seine Taufe von dem aus Essen stammenden Pastor Wittgen. Er wird, wie es damals üblich war, mit seinen Geschwistern die Dorfschule besucht und seine Grundausbildung von dem Küster und Schuldiener Rütger Neufiand erhalten haben. Mit 12 Jahren war er, wie er selbst später niedergeschrieben hat, ein "Student". Er dürfte, so weit feststellbar, in Dortmund zur Schule gegangen sein. Möglicherweise hat er zuerst den Kaufmannsberuf ergreifen wollen und hat erst während des Studiums den Entschluss gefasst, Seelsorger zu werden. Ordiniert ist er vom Consistorio in Dortmund, wie er selber in einem Schreiben vom 1.9.1678 an den Advocaten Dr. Hiffeld berichtet, und dass er 1636 nach Velbert ordentlich berufen sei. Er habe damals bei dem jetzt verstorbenen Inspektor Justus Weyer (in Düsseldorf) um das Placitum gebeten, es aber bis jetzt nicht erhalten. Die Kirche in Velbert sei bei seinem Antritt versperrt gewesen. – Ob er vor dem Antritt seiner Pfarrstelle in Velbert bereits in einem anderen Ort eine solche Stelle innehatte, wurde uns nicht hinterlassen. Bevor er endgültig 1636 nach Velbert kam, hatte er bereits 1630 hier gepredigt. Sein Vorgänger war der aus Iserlohn gebürtige Pastor Bertram Dalkamp gewesen, den die Pest hinraffte.
Arnold Steinbach schreibt über seine Berufung und den Dienst in der Gemeinde 1686:
"Item Hr. Bertramo Dallkampio, Iserlohnensis, bin ich Arnoldus Steinbachius in Ao. 1636 um St. Jacobi gefolgert, von der verlassenen Gemeinde, da die Pestilentz und der Blutgang sehr hastig gewütet, der Krieg schwere Überzüge und Contributiones häuffig überhand genommen, in mein Vaterland nacher Velbert, einhellig zum Pastoren beruffen worden, habe, nach Vermögen, von Ao. 1636 bis ins Jahr 1682 diese Kirche und Gemeinde (seyn anitzo, da ich solches schreibe 46 Jahr) treufleißig bedienet, kann von meinem Hr. Successoren, die zeit meines sol. Abschieds und Jahr meine Bedienung hieunten specificiert und annotiert werden".
Der Homberger Richter zu Ratingen hat ihn mit landesherrschaftlicher Genehmigung einführen lassen. Seine seelsorgerische Tätigkeit wird von seinem Antritt ab keine leichte gewesen sein. Dazu kamen die seit 1618 bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Lutheranern und den Reformierten im Kirchspiel, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts andauerten, und die oft zu schweren tätlichen Auseinandersetzungen führten. In den ersten 10 Jahren seiner Tätigkeit scheinen sich Lutheraner und Reformierte über alle Streitigkeiten hinweggesetzt zu haben, wenigstens im Dorfe Velbert. Dach dann kamen die Meinungsverschiedenheiten wieder auf, und die Reformierten verklagten ihn beim Landesherrn, wogegen er sich und seine lutherische Gemeinde zur Wehr setzte. Diese Auseinandersetzungen, die sich bis zu einem Tode hinzogen, scheinen ihm einmal das Bleiben in seinem Heimatort verleidet zu haben. Am 2. Januar 1656 wurde er als Pastor nach Mettmann berufen. Diese Pfarrstelle hat er aber nicht angetreten. Aus Liebe zum Heimatort und wohl auch auf Bitten und Drängen seiner Pfarrkinder ist er geblieben.
In den Jahren seiner Tätigkeit hat er die Kirchenakten gewissenhaft verwaltet. Im Jahre 1666 legte er mehrere Rechenbücher (Abrechnungsbücher) an. 1680 ordnet er nochmals alle Akten, die sich inzwischen zu einer stattlichen Zahl vermehrt haben. Er lässt einen großen Kasten anfertigen, in welchem man 5 kleinere Kästen einfügt, drinnen alle Urkunden, Schriftstücke, Armenrentenverzeichnisse usw. nach ihrer Bestimmung und Art hinterlegt werden. In einem kleinen Kästchen brachte Steinbach die Urkunde und die Schriftstücke der Hildesheimer Donation unter, (eine Geldschenkung der aus Hetterscheid stammenden Familie Hinüber für die Armen der evangelischen Gemeinden Velbert und Werden.
Aus seinen Schriften kann man entnehmen, dass er ein geistreicher Mann war, der es verstand, seine Gedanken und seine Lebensauffassung zu Papier zu bringen. Seine Tätigkeit als Seelsorger nahm er sehr ernst, und die Betreuung seiner Gemeinde lag ihm besonders am Herzen; und so schrieb er 1680 bei Anlegung eines neuen Kirchenbuchs - dem heutigen Sprachgebrauch angeglichen und hier auszugsweise wiedergegeben:
"Wir, Pastor, Ältesten, Kirchmeister und Provisoren dero Kirche und Kirchenspielgemeinde, unveränderte augsburgischer Konfession zu Velbert geben allen Mitbrüdern, Religionsverwandten und Glaubensgenossen freundlich zu erkennen, dass die Höchste Gnade, die Gott der Allmächtige unserem lieben Vaterland erzeiget und bewiesen hat, diese sei, dass Er uns und unsere lieben Voreltern, das Licht des H. Evangely in der tiefen Finsternis darinnen sie gesessen, so klärlich und reichlich scheinen und leuchten lassen, und dem die armen Leuten das heilige Wort Gottes als brennende Laterne verboten, den Weg zum Himmel ihnen nicht gezeigt, sondern allein auf ihre gute Werke als auf ihr vermeintliches Fasten, Rosenkranzbeten, Almosen geben, Kloster, Kirchen und Altar bauen, Messe hören ..."
ferner
"... mit Geld die Sände abzukaufen, Item durch Mönch und Nonnen verdienst die Seelichkeit zu erlangen und aus dem Fegfeuer sich jedermann zu erlösen hätte, ..."
ferner
"... Woraus wir Gott sei ewig Lob und Dank nunmehr erlöset, ja dem um das Jahr unseren Herrn Jesu Christi 1560 der liebe getreue Gott allhier an diesem geringen Orte durch Herrn Wennemar Schönfeld, lutherischen Prediger das klare Licht des H. Evangeli hat leuchten und blichen lassen ..."
Pastor Steinbach war ein echter niederbergischer Junge, der auch schon mal aus der Haut fahren konnte, der dabei sehr grob wurde, was uns Briefe an den Landesherrn bezeugen. Während ihm die Reformierten in Velbert kaum Schwierigkeiten bei seinen Predigten machten, da Velbert überwiegend lutherisch war, war dies in Heiligenhaus gehörte zu dieser Zeit zwar kirchlich zu Velbert, war aber überwiegend reformiert. So musste er dort am 2.8.1676 in der Kapelle St. Hubertus erleben, dass er mitten in der Predigt gestört wurde und
"Mitten unter der Predigt, mit Steinen aus der Kapelle zum Heiligenhaus samt der ganzen versammelten Gemeinde von den Calvinisten unsre falschen Brüdern als Hunde heraus gesteiniget worden."
Neben seiner Tätigkeit als Pastor war er, wie bereits berichtet bestellter Hofesschreiber, und als das alte 100-jährige Hofesprotokollbuch voll war, legte er ein neues Buch an; dahinein wurde die Satzung des Hofesverbandes aus dem vollen Buch übertragen. Die letzten Behandigungsvermerke über die zum Hof "zum Hofe" gehörigen Güter übertrug er ebenfalls. Das alte Protokollbuch von 1560 - 1681 ist leider nicht mehr vorhanden, wird aber 1787 noch erwähnt. Bis zu einem Jahr vor seinem Tode hat er das Schreiberamt bekleidet und alle Vorgänge an den Hofesgerichtstagen gewissenhaft in das Protokollbuch eingetragen. Die Schrift in seinen letzten Lebensjahren ist nicht mehr so fest wie früher; sie zeigt uns, dass sein Geist zwar noch gesund war, aber nachgelassen hatte, dass aber seine Hand die Feder nicht mehr so recht zu führen verstand. Seine letzte Eintragung machte er am St. Blasii-Tag, dem 3. Februar 1690. Am Kuniberti-Tag, im November 1690 nimmt er am Hofestag noch teil, und lässt sich durch Hindrich Ostum den Anwesenden anzeigen, dass er an die 50 Jahre dem Hofesverband treulich gedient habe und sein Sohn, der junge Pastor Steinbach, als Hofesschreiber angenommen werden soll, was auch geschieht. Diese Tätigkeit hatte der junge Pastor bereits seit der letzten Sitzung ausgeführt.
Arnold Steinbach wohnte im damaligen Wiedenhofe der evangelischen Gemeinde, genannt im Gute "für dem Dohr", das ein Behandigungsgut des Hofes "zum Hofe" in Velbert war. Es stand nur zur Mannslehne. Er, Pastor Steinbach, ist auf Kuniberti-Tag 1642 seitens des Lehensherrn daran mit der Mannshand behandet worden. Diese Hand hatte er bis 1684 in Besitz.
In den letzten Lebensjahren stand Steinbach in der seelsorgerischen Tätigkeit ein theologischer Kandidat zur Seite. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Arnold Steinbach d. J., der aber wenige Jahre später 1695 bereits verstarb. Der nächste Pastor trug ins Kirchenbuch den Vermerk über Vater und Sohn ein:
"Bey seinem hohen Alter und Unvermögen, ist des angesetzten Dominos Filius 1687 berufen, dessen Subsiliatus (Vertretung), Zeit seiner Studien H. Arnoldus Beurhaus gewesen, und ist Arnoldus Steinbachius senior 1691 verstorben, da er 55 Jahr Pastor gewesen, diesem H. Steinbach dem Aelteren ist sein"
"H. Sohn, gleichen Namens, succedieret und ist nach einer treuen Amts Bedienung von wenig Jahren 1695 seinem sel. H. Vater in die Frohe Ewigkeit gefolgt"
Arnold Steinbach wurde in der Kirche vor dem Altar beigesetzt. Seine Grabplatte ist noch vorhanden. Sie steht jetzt im Turm an der Wand. Leider sind die Inschriften nicht mehr einwandfrei zu lesen, da sie durch die Lage vor dem Altar ausgetreten sind, so dass nur noch einig Buchstaben zu erkennen sind. Durch das Wappen, das mit dem Briefsiegel übereinstimmt, ist die Grabplatte zu identifizieren.
Abbildung 9: Briefsiegel und Wappen des Pastors Arnold Steinbach
Die evangelisch-lutherische Gemeinde Velbert hat ihrem alten Pastor Arnold Steinbach, sowie dessen Sohn Arnold, nicht immer die den beiden zustehenden Gehälter zahlen können, so dass nach dem Tode der beiden die Gemeinde den Erben gegenüber verschuldet war. An eine Tilgung der Schuld war nicht zu denken, wie es heißt "wegen der geldlosen Zeit". Nach reiflicher Überlegung "ist ein rathsames Mittel erfunden, dass ohne der Gemeinde Beunruhigung", wie Pastor, Kirchmeister und Älteste sich ausdrücken, "einen wüsten und öden Ort, zwischen Wiedumhof und der alten Schmitten liegend", ist "ein sumpfiger Grund", an den dritten Sohn des alten Pastors, den Ludger Steinbach verkauft worden, der darauf ein Haus zu bauen beabsichtigte. Da der Wert des Platzes um 30 Taler höher lag als die Höhe des Schuldbetrages, sollte der Käufer diesen Betrag an den lutherischen Pastor zahlen. Über den Kauf wurde am 28.5.1696 ein Kaufvertrag errichtet. Die auf diesem Grundstück lastende Grundpacht von zwei Pfund roten Kupfers musste der Käufer übernehmen. Das nach drei Jahren erbaute Haus erhielt den Namen "Steinbachs– oder Leurkens-Haus".
Arnold Steinbach nahm sich um 1646-1648 seine Ehefrau aus dem Heimatort. Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass sie "Irmgard in der (alten) Schmitten" hieß, geboren um 1625-1626 im Hause "in der (alten) Schmitten", das einst in der heutigen Friedrichstraße lag. Nach den Westdeutschen Ahnentafeln war ihr Vater der lutherische Pastor Bertold Hövelmann. Auch der in der Zeit von 1626 bis 1631 in Velbert amtierende Pastor Johannes Vorstius nimmt Stellung in einem am 3.3.1664 an Pastor Steinbach und seine Gemeinde gerichteten Schreiben wegen früherer Streitsachen der Lutheraner gegen die Reformierten, dass Pastor Hövelmann seines, Steinbachs, Schwiegervater sei. Pastor Vorstius hat den Streit in der Velberter Gemeinde selber miterlebt und wahrscheinlich nicht durchstehen können. Er ist 1631 als lutherischer Pastor nach Gelsenkirchen verzogen, wo er 1673 verstarb. Er war verheiratet mit Adelheit Offerhaus, der Tochter des Streiters der reformierten Gemeinde Johannes im Offerhaus und Johanna Gaddum aus Velbert.
Pastor Hövelmann ist nach Aussagen verschiedener Zeugen im Kirchenstreit als bereits älterer Mann 1620 von Ratingen nach Velbert gekommen. Er war, wie es heißt unverlobt. 1624 heiratete er die "Greeten in der Schmitten". Sie war die Erbin des o. g. Hauses. Pastor Hövelmann hat mit seiner Frau im Wiedenhofe, dem Haus "vorm Dohr" gewohnt und das Haus seiner Frau an Henrich den Schmied verpachtet. Am 21. Dezember 1626 ist er verstorben und am 23. Dezember in der Kirche beigesetzt. Seine Grabplatte ist noch vorhanden. Das darauf befindliche Wappen zeigt einen Zimmermannswinkel mit den Anfangsbuchstaben seines Namens "B. H.". In all den Streitschriften, in denen Steinbach auf Hövelmann Bezug nimmt, sagt er nicht, dass dieser sein Schwiegervater sei. Hövelmanns Frau Greete dürfte, da ihre Ehe nur 2 Jahre bestand, nochmals geheiratet haben.
Das Haus "in der Schmitten" gehörte in den Hofesverband des Hofes "zum Hofe" in Velbert. 1631 wird ein Gerhart in der Schmitten mit der Mannshand an diesem Hause behandet. Dieser könnte der 2. Ehemann der Witwe Hövelmann gewesen sein. Als er 1664 stirbt, lässt Pastor Steinbach seinen ältesten Sohn Henrich behandigen, in dessen Händen sich dann das Haus befand. Der Behandigungsvermerk im Hofesprotokollbuch gibt leider das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den bisher Behandeten und den neu Behandeten nicht an. Inzwischen hatte Steinbachs Frau Irmgard das Haus geerbt.
Sie ist 1657 mit der Frauenhand behandet worden, ihre Mutter wird um diese Zeit bereits verstorben sein.
Abbildung 10: Alt Velbert - in der alten Schmitten
Abbildung 11: Alt Velbert - vorm Dohr "Widernhof"
Die Steinbachs erbauten neben dieses Haus das daneben gelegene "Haus aufm Platz", sowie 1699 das gegenüber liegende "Steinbachs- oder Leurkens-Haus". Letzteres war zuletzt im Besitz der Familie Neddermann.
Von den Brüdern des Pastors Steinbach seien erwähnt:
, verheiratet mit Idgen Neufiand; er wohnte im Hause Großenhaus.Ludger Steinbach
Die Ehe war kinderlos. Sie haben den Armen der Gemeinde testamentarisch 75 Reichstaler vermacht. Dieser Betrag wurde 1661 Hendrich Hieut als Darlehen gegeben, die daraus fließenden Zinsen dienten der Unterstützung der Armen.
Gerhard Steinbach, geboren 1609, 24.2.1682 in Werden begraben. Er wohnte am Hitzbleck beim Schloss Öfte.
Johann Steinbach, der am 26.2.1639 in Salzwedel Maria Rekeling heiratete, Tochter des Dietrich Rekeling, Vorsteher des Gotteskastens der Schulkirche in Salzwedel.
Johann Steinbach dürfte wie sein Vater Kaufmann und Handelsmann gewesen sein und durch geschäftliche Beziehungen in den Raum Braunschweig auch nach Salzwedel gekommen sein.