Auszug aus Protokollen der lutherischen Gemeinde Köln

1709

Peter Bemberg wird in den Gemeindevorstand zunächst als Diacon (1709) und am 20.7.1713 zu einem der Gemeindevorsteher gewählt.  

"1709 wird Herr Peter Bimberg von jetzigen Herren Verstehern zum Diacon verordnet, welche Stelle er verwaltete bis 25. Ju?i 1712."  

20.7.1713  

"Nachdem durch das Absterben .. eine Ältesten Stelle vakant geworden, ist nach Gutbefinden übriger drei Herren Vorsteher resolvieret worden, sotane Stelle wieder zu ersetzen ... bemalter Herr (Peter) Bemberg mit sämtlicher Anwesenden Bewilligung und einhelligen Votis zum Vorsteher ernennst und erwählt worden"  

Die Vorsteher der Gemeinde befassten sich nicht nur mit der Regelung der Gemeindeangelegenheiten, wie Bestellung des Pastors, des Diacons usw., sondern sie übernahmen auch die Verwaltung der der Gemeinde zufließenden Gelder. Hierbei wurden genaue kaufmännische Gepflogenheiten eingehalten. Da es noch keine Banken mit Stahlfächern gab, wurden die Wertpapiere (Obligationen und Wechsel) in der "eisernen Gemeinde-Kiste" aufbewahrt, zu der es 2 Schlüssel gab, die von 2 Vorstehern getrennt aufbewahrt wurden.

1714 liegen in der Gemeindekiste u.a. Wechsel von Peter Bemberg, Johann Bemberg aus Langenberg (Bruder von Peter Bemberg) und Johann Peter Schneltgen aus Langenberg

8. Juni 1716

Die Kölner und die Mülheimer Gemeinde kommen überein, eine gemeinsame Schule in Mülheim zu errichten, wozu die Kölner einen Zuschuss zu geben sich verpflichten.

Die Kölnische Gemeinde lebte unter erschwerten Bedingungen, wir es ihren Mitgliedern doch verboten, Grund und Boden in Köln zu erwerben.

In Mülheim/Rhein, das zum protestantischen Herzogtum Barg gehörte, konnte sich das kirchliche Leben frei entfalten. Aus dem Grunde sollte die Schule dort errichtet werden, was schon seit 1684 geplant gewesen war, aber wegen bisher fehlender mittel noch nicht zur Ausführung hatte kommen können.

Deshalb

"versprechen cölnische Herren Ältesten um der so hochnötigen Schule aufzuhelfen ... aus den unter ihrer Administration bleibenden Mitteln einen zeitlichen evangelischen Schulpraeceptor und Organisten in Mülheim zu einem jährlichen Gehalt ad 100 Rt zu bezahlen, jedoch unter der ausdrücklichen Reservation, daß ... wenn cölnische Vorsteher durch unvermeidliche Unglücksfälle ... nicht mehr imstande wären, jetzt gemelte 100 Rt einem zeitlichen Schulmeister zu entrichten solchen Falls die Cölnischen mit Abtragung des Schulgehalts nicht allein belästigt werden, sondern mülheimer Vorsteher sowohl als cölnische gesamterhand vor solchen Abgang sorgen sollen ...
Im gleichen, weilen auch zu hoffen, dass mit der Zeit die evangelisch-lutherischen Gemeindemitglieder in Mülheim sich vermehren und dadurch die Kirchenmittel verbessert werden, folglich die Mülheimer imstand kommen möchten, zu der Besoldung eines Schulmeisters was beitragen zu können ..."  

weiter heißt es:  

"Endlich ... alle und jede Stücke dieses Contractes treulich nachzuleben, und also reservieren sich auch cölnische Herren Vorsteher und Ältesten hierbei ausdrücklich, daß, wenn wider Verhoffen von Mülheimer Seiten ein oder ander Punkt zuwider gehandelt, und die Mülheimischen einiger Übertretung schuldig erkannt und solches nicht gutwillig radressieren würden, so wollen und sollen cölnische Herren Vorsteher Kraft dieses berechtigt sein, das ... Capital zu dero eigener Administration wieder zurück zu fordern ..."
So geschehen Cöllen am Rhein Anno 1716, 18. Juni,
folgen die Unterschriften, an 2. Stelle Peter Bemberg  

6. Februar 1717

Die Vermischung von kirchlichen und geschäftlichen Dingen wer Anlass dazu, dass es zu Differenzen in der Gemeinde kam.

Dr. Seuter soll zum Ältesten gewählt werden, sträubt sich aber zunächst, das Amt anzunehmen, da die bis herigen Ältesten zu selbstherrlich über die Mittel der heimlichen Gemeinde zu Cöllen verfügt hätten. Er stimmt endlich

"wegen der gegenwärtigen ratlosen Not der Gemeinde" zu, jedoch mit dem "Vorbehalt, daß inskünftiger die Ordnung besser observieret und keine Hauptsache ... sollte vorgenommen und vollzogen werden, ohne Consens der fürnehmsten und verständigsten Mitglieder der Gemeinde ... worauf ihm auch folgens der Ordnung von 1680 - 1689 die Schlüssel zur Cassa und Kirchenarchive wirklich eingehändigt worden."  

Wegen der wenigen in Köln befindlichen Gemeindemitglieder - 1716 wer ein Teil wegen der Bedrückung durch den katholischen Kölner Rat nach Mülheim ausgewandert - wird beschlossen, einstweilen die Zahl der Ältesten von 4 auf 2 zu vermindern.

1. Juni 1718

Von den zeitlichen Vorstehern Herrn Dr. Seuter und Peter Bemberg ist

"vor gut befunden worden, von denen zusammengesparten Interessen (Zinsen) ein rentbares Kapitel zu machen, wie dann wirklich 200 Rt corant gegen einen Wexelbrief an Herrn Peter Bemberg und Compagnie ausgetan worden, auf ein Jahr gegen 3% und solcher in die Gemeinde eiserne Kiste verwahrt worden."  

18. August 1718

Obwohl die Kölner Gemeinde klein ist, erklärt sie sich bereit, der  

"neu anpflanzenden evangelisch-lutherischen Gemeinde in Langenberg auf deren Bitten eine Beisteuer zur Errichtung von Pfarrhaus, und Schule in Höhe von 25 Rt zu geben."  

1. Oktober 1719

wieder in Herrn Bembergs Hause (in dem fast stets die Zusammenkünfte stattfinden) kommen die Vorsteher Dr. Seuter, Peter Bemberg und als Dritter Johan Friedrich Viebahn zusammen, um über den Antrag eines Hypothekenschuldners zu beraten, die Zinsen für eine Hypothek über 3.000 Rt von 4% auf 3½% zu senken.

Die Antwort

"darauf resolvieret worden und den Beamten zugesandt, daß die Obligation zu 4% bleiben müsste."  

Diesen Zinseingang vorausgesetzt, erklärt sich die Kölner Gemeinde bereit, der neuen lutherischen Gemeinde in Langenberg zur Besoldung ihres Pastors jährlich 150 Rt mindestens 3 bis 4 Jahr "oder solang es uns gefällig" beizusteuern.

Ferner sind Herr Bemberg zu einer sicheren Affaire, um einem Gemeindemitglied damit zu dienen, 150 Rt auf 4 - 5 Monate lang gegen seine Eigen-Handschrift gegeben worden ...

5. Juli 1721

wird von dar evangelisch-lutherischen Gemeinde zu Cölln beschlossen, "einen heimlichen Prediger zu berufen, ..." worauf man beschloss, auch

"dem Herrn Professor Franke auf Halle zu schreiben, selbigen auch, jedoch in aller Vertraulichkeit und Verschwiegenheit unsern Zustand zu erkennen gegeben mit Bitte.. uns ein echt fromm Subjectum auszuersehen ... Worauf ... Herr Professor Franke den Herrn Mathias Lyssow aus Salzwedel, welcher bei drei Jahren bei dasigem Herrn Professor hat studiert .. (empfahl) ...
So ist der Schluss dazu gefunden, solchen.. cum salario Rt 180 hierhin zu berufen ... Anbei ist resolvieret worden, solchen bei Herrn Fischer offm Pfuhl ins Quartier zu geben, weil bei den anderen Herrn sich keine Gelegenheit dazu gegeben."  

Zwischen 1721 und 1729 spielen bei den Zusammenkünften der Ältesten finanzielle Fragen eine dominierende Rolle, war doch die Gemeinde infolge ihres Wohlstandes an der rentablen Anlage ihrer Kapitalien interessiert. Die Zusammenkünfte finden fast stets in "Herrn Bembergs Hause" statt . Die Probleme des Gemeindelebens wurden darüber aber nicht vergessen.

Die Abfassung des Berufsschreibens an den zukünftigen Praeceptor Lyssow wird eingehend beraten. Dabei können die Ältesten aber nicht mit der ausreichenden Unterstützung durch die übrigen Gemeindemitglieder rechnen. Im Gegensatz zu Bemberg, der immer wieder zu den Sitzungen einlädt, halten es andere (namentliche genannte) Gemeindemitglieder nicht für nötig, zu erscheinen.

Ärger gibt es auch mit dem Mülheimer Pastor, dem Saumseligkeit vorgeworfen wird und der sich u.a. weigert, die Kinder der Kölner Gemeinde zu taufen (Gründe werden nicht angegeben). Stellungnahme der Kölner Gemeinde:

"falls der Herr Pastor seine Pflicht nicht erfülle, sähe sich die Gemeinde genötigt, ihrerseits den Gehaltsanteil des Pfarrers in Höhe von 75 Rt nicht auszuzahlen."  

Worauf der Pfarrer nachgibt.

Im November das Jahres 1721 befindet sich in der Gemeindekiste ein Barkapital von rund 1.022 Rt. Die Kiste bleibt in Verwahr eines der Ältesten, der Schlüssel zur Kiste wird Bemberg gegeben.

1724

erhält die Elberfelder Gemeinde 25 Rt, über die Herr Wuppermann quittiert.

18. Mai 1729

werden die Söhne von Peter Bemberg: Caspar Heinrich Bemberg (KIV/l) und Friedrich Wilhelm Bemberg (KIV/5) erstmalig als Gemeindemitglieder erwähnt.

Am 17. Juni 1729

wird die Gemeindekiste weitergegeben an Herrn Noél. Bei der Gelegenheit werden alle Geldeingänge quittiert (etwa 2.000 Rt), das Hauptbuch wird überprüft und eine Übersicht über das Gemeindevermögen aufgestellt. Die Schlüssel werden Hofrat Dolldus und Peter Bemberg gegeben

"letztere aber auf ausdrückliches Begehren der Herren Bemberg und Noél mit Herrn Hofrat Noél Cachet versiegelt worden."  

Das Gemeindevermögen wird mit 22.247 Rt, 34 Alb angegeben, das in Obligationen und Wechseln angelegt ist.

Unter den Schuldnern finden sich u.a.:

Hamburger Stadtkämmerei 4.000 Rt

Obligationen Stadt Hannover 3.000 Rt

Amt Blankenstein 3.000 Rt

 

("von welchen Interessen jedoch der neuen lutherischen Gemeinde in Langenberg jährlich ½ % auf einige Jahre geschenkt")  

Amt Blankenstein 500 Rt

Bemberg und Schneltgen, Köln 500 Rt  (Weinhandlung)

 

17. Juli 1729

wird über eine öftere Unpässlichkeit von Herrn Peter Bemberg geklagt, durch die erschiedene Sachen nicht pünktlich erledigt werden konnten.

21. Februar 1732

Durch den Tod des Schulpraeceptors Ritter wird die Neubesetzung der Lehrerstelle notwendig.

Es wird mit Herrn Johann Wilhelm Ising ein Vertrag geschlossen (s. unten). Ising lebte sich gut ein; als ihm ein Angebot gemacht wurde, nach Gummersbach zu kommen, werden ihm 20 Rt zugelegt.

Ising ist vor der Anstellung

"nicht allein von Mülheimer Herrn Pastors und Ältesten, als auch von cölnischen Ältesten examiniert und auf die Probe gestellet, sondern auch specialiter von cölnischen Religionsverwandten im Orgelschlagen und sonsten gehört, befragt und wohl genug qualificiert befunden"  

Zu den Aufgaben des Lehrers gehören u.a. (Auszug):

  1. Die Kinder im Lesen, Beten, Schreiben und Singen, wie auch im Catechismo fleissig informieren solle, er hingegen von jedem Kinde monatlich 5 Stüb. oder jährlich Rt zu geniessen haben.  
  2. Soll derselbe diejenigen Kinder, welche es verlangen. in der Rechenkunst und Latinitat unterweisen und dann für solche Information doppeltes Schulgeld genießen.
  3. Soll ein jedes Kind beim angehenden Winter das gewöhnliche Holzgeld zwar geben, das Consistorium in Mülheim aber wird auch aus ihren Kirchen - und Gemeindemitteln dem obgemelten Schulpraeceptori etliche Wagen Steinkohlen lassen liefern, gleichwie vorhin ebendfalss geschehen ist.
  4. Soll derselbe in der Kirchen die Orgel schlagen, das Singen dirigieren und in Ordnung halten, auch vor der Predigt die vom mülheimischen zeitlichen Herrn Pastors benennte Gesänge oder Nummern auf die Leyen (Ley = Schiefertafel) annotieren, auch die unter seiner Information stehenden Knaben, um bessere Zucht zu halten, zu sich auf die Orgel nehmen und auf dieselben wohl acht gehen.  
  5. ...
  6. Soll der Schulpraeceptor auch alle Woche wenigstens einmal nach Cöllen gehen und die dasigen etwa vorhandenen evangelisch-lutherischen Kinder im Catechisma unterweisen.  
Unterschrift u.a. Peter Bemberg  

Im Juni 1737

lässt sich Friedrich Wilhelm Bemberg von der Gemeinde ein "Attestatum statt eines Losbriefs" geben (eine Einverständniserklärung der Gemeinde, da die Heirat außerhalb Kölns stattfinden wird) für seine beabsichtigte Heirat mit Maria Anne Eichholtz, "Herrn Johann Wilhelm Eichholtz in Aachen Tochter."

30. Juli 1737

lässt sich Johann Daniel Bemberg (K IV/4), Herrn Peter Bembergs zweiter Sohn, ein Attestum geben für seine "vorhabende Verehelichung" mit Anne Margaretha Bemberg (H IV/8) Herrn Lucas Bemberg in Langenberg Tochter

30. August 1737

Da der bisherige Pastor verstorben ist, muss ein neuer berufen werden. Die Mülheimer machen Schwierigkeiten .. wollen sich von den Kölnern in die Neubestallung des Pastors nicht hineinreden lassen. Die Kölner bestehen auf ihrem Recht, raten aber von einer Zuspitzung des Streits ab.

"Man solle sich unnötiger Processe enthalten. Widrigens man nicht allein daran keinen Anteil nehmen, sondern gar das zur Salarierung eines Predigers ihnen von uns zur Administration anvertraute Capital Rt 55 zurückzufordern genötigt sein würde."  

Die Wogen gehen sowohl in Mülheim als auch in Köln hoch. Schließlich lassen sich die Kirchenältesten - die zu dem Zweck eine Deputation an die Regierung in Düsseldorf schicken - von dort bestätig en, dass die Kölner Gemeinde bei der Wahl des Predigers ein Mitspracherecht hat.

Eine kleine Gruppe Mülheimer, die hiermit nicht einverstanden ist, wird überstimmt unter erneuter Berufung auf die Abmachungen von 1716.

"Weil nun aber derjenige, so das Evangelium verkündigen, sich auch davon ernähren sollen, so soll Ew. Hochwohlehrwürden vor deren treuen Ämtsbedienung zu empfangen haben:

jährlich Tlr. 260. Imgleichen haben dieselben zu bewohnen das Pfarrhaus und den Garten ...

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Unterschrieben von den Mülheimer und Cölner Ältesten:

Christoph Andree, Kirchenältester

Johann Jonas Elbers, Kirchenältester

Johan Wilhelm Heynen, Kirchenältester

Daniel Bohna, Diacon

Mattheus Seuter, med. Dr. p.t. Cölnischer Kirchenältester

Peter Bemberg, Cölnischer Kirchenältester  

Am 1. Sept. 1737

ergänzen die Kölner Ältesten die Vocation durch ein Schreiben, in welchem sie dem neuen Prediger 75 Rt jährlich zusagen als freiwillige "Douceur", "ohne Consequenz auf dero künftige Nachfolger".
gez. Matthaeus Seuter

Peter Bemberg  

22. September 1740

Die protestantischen eingesessenen Kaufleute in Köln werden vom Kölner Magistrat erneut in Handel- und Wandel beeinträchtigt, was nunmehr Daniel Noél und Christoph Andreae veranlasst, auch nach Mülheim auszuwandern. Die Bembergs bleiben in Köln, nachdem sie und die Schneltgen ihre Wechsel bei der Gemeinde eingelöst hatten. Die Kapitalien der Gemeinde in Höhe von über 20.000 Rt werden mit der Gemeindekiste nach Mülheim/Rhein gebracht.

31. Mai 1741

Peter Bemberg bittet, wegen seines hohen Alters und seiner Schwächlichkeit einen weiteren Vorsteher zu erwählen, bittet ferner, Herrn Noél wegen der Verwandtschaft mit ihm nicht in Betracht zu ziehen.

2. März 1743

Peter Bemberg. ist im Dezember 1742 gestorben. Er hatte das Amt als Gemeindevorsteher inne von 1713 bis 1742, also 29 Jahre.

28. Dezember 1747

wird dem Schulmeister Johann Ising "wegen der teuren Zeiten und starkem Anwachs der Familie" ein Geschenk von 25 Rt gemacht

7. April 1762

Nachdem Caspar Heinrich Bemberg und Friedrich Wilhelm Bemberg bereits seit Jahren gemeinsam mit den Gemeindeältesten die Geschicke der Gemeinde mit beraten haben, werden sie jetzt zu Gemeindeältesten gewählt. Dadurch wird eine Neuverteilung der Kirchenstühle in der Mülheimer Kirche notwendig. Nahe bei ihnen erhalten Peter Johann Bemberg (K V/1) und Christian Daniel Noél ihre Stühle.

10. Juni 1763

Peter Johann Wilhelm Bemberg (K V/1), ältester Sohn von Caspar erhält die Einwilligung der Gemeinde zu seiner Heirat mit Catharina Elisabeth Anthonetta Michels, älteste Tochter von Michael Michels Kauf- und Handelsmann in Aachen und dessen "Frauen Eheliebste" Anna Catharina Barbara geb. Godschalk.